Perspektiven
Methoden
Akupunktur
→ www.jcm.co.uk
Dreimal jährlich erscheint “The Journal of Chinese
Medicine”. Einige Artikel des jeweils neuesten Hefts sind
abrufbar.
→ de.wikipedia.org...
Akupunktur bei der 'Wikipedia'.
Chirotherapie
(Manuelle Medizin)
→ www.chiropraktik.ch
Themen zu Chiropraktik und Gesundheit des ”Informationsdienstes für
Chiropraktik in
der Schweiz”.
Eigenbluttherapie
→ de.wikipedia.org...
Ein Artikel der 'Wikipedia'.
Neuraltherapie
→ www.neuraltherapie.at
Die Seite der “Österreichischen Medizinischen Gesellschaft
für
Neuraltherapie und Regulationsforschung”.
Einführung in die
Methode, ihre
Anwendungsgebiete, Gegenanzeigen und Geschichte.
→ www.ignh.de
Informationen der "Internationalen Medizinischen Gesellschaft für
Neuraltherapie nach Huneke Regulationstherapie e.V."
Pflanzenheilkunde
Link
zur Seite des 'Komitee Forschung Naturmedizin' führt u.a. zu
Heilpflanzen- Dokumentationen und Presseberichten.
Symbioselenkung
→
de.wikipedia.org...
Übersichtsartikel
der Wikipedia' mit weiterführenden Links zur Symbioselenkung bzw.
'Mikrobiologischen Therapie'.
Umweltmedizin
→ www.allum.de
Das überaus informative 'Informationsangebot Allergie, Umwelt und
Gesundheit'.
Blutegel-Behandlung
Mit
einem 'Igittigitt !" flüchtet die Tochter aus dem Zimmer - der
Vater hatte sich schon rechtzeitig in einen Nebenraum
zurückgezogen und blieb unsichtbar - ‚ die Mutter
geht
rückwärts zur Tür, während die Oma
ängstlichen
Blicks mißtrauisch zusieht, wie aus einem mitgebrachten
Gefäß ein kleines, sich heftig windendes, dunkles
Etwas
geangelt
wird. Ein unbefangener Beobachter müßte glauben, ein
gefährliches, giftiges Tier sei im Zimmer, fähig zu
jeder
Übeltat. Dabei befinden sich in jenem Gefäß
nur einige
kleine, zwar hungrige, aber harmlose Blutegel, die der Oma sichere und
schnelle Hilfe bei ihren Beschwerden bringen sollen.
Der
Blutegel (lateinisch Hirudo officinalis oder Hirudo medicinalis
genannt) trifft in unseren Tagen leider zu oft auf Abneigung, oder er
löst sogar unverdientermaßen Ekel aus. Zwar hat man
hier und
da schon gehört, wie hilfreich eine Behandlung mit diesen
Tierchen
gewesen und wie prompt die gute Wirkung eingetreten sei. Aber bei sich
selbst? Nein! "Können wir nicht erst noch mal was anderes
versuchen?"
Hat
sich dann der Kranke doch bereit gefunden und Egel angesetzt bekommen,
dann kommt er später oft ganz von selbst: "Können wir
nicht
mal wieder...?" - Folglich war es also längst nicht so
schlimm,
wie anfänglich befürchtet.
Wie
kommt es nun, daß sich bis heute, da allenthalben die
erstaunlichsten Fortschritte der Medizin gefeiert werden, der Blutegel
als verläßlicher Helfer zahlreicher Kranker erhalten
konnte?
Überall blitzt es in den Behandlungsräumen der Praxen
und
Krankenhäuser von Chrom und poliertem Edelstahl, zahllose
mikroelektronische Geräte stehen dort, alles ist so sauber und
steril wie möglich - und da sollen diese unappetitlichen
Biester,
die aus den Becken der Zuchtanstalten gefischt wurden, noch zu etwas
nütze sein? Sind denn die Leute, die heute noch Egel ansetzen
wollen, von allen guten Geistern des Fortschrittes verlassen?
Nun,
wie so vieles aus der altehrwürdigen Naturheilkunde, das
belächelt oder totgesagt wurde, hat sich der Blutegel bis
heute
durch nichts ersetzen lassen. Ganz im Gegenteil! In vereinzelten
Krankenhäusern beginnt er sogar wieder Einzug zu halten.
Die
Geschichte der Blutegelbehandlung ist umfänglich und reich an
besten Erfahrungen. Wenn diese Methode zeitweilig durch
unvernünftigen, viel zu reichlichen, ja maßlosen
Gebrauch zu
Schäden führte und deshalb in Verruf geriet,
können die
Egel selbst nichts dafür. Schon in vorgeschichtlicher Zeit
dürften bei Kulturvölkern Blutegel zu Heilzwecken
Verwendung
gefunden haben. Die ersten der bisher entdeckten Aufzeichnungen sind an
die dreitausend Jahre alt und lassen vermuten, daß Blutegel
schon
damals gezüchtet und angewendet wurden. Sie künden
von der
Zucht der Blutegel und ihrer Anwendung. Soweit heute bekannt, wurde
diese Heilweise erstmals in ein System gebracht von dem griechischen
Arzt Themison von Laodicea, der im 1. Jahrhundert vor unserer
Zeitrechnung als Schüler des Dichter-Arztes Asklepiades lebte.
Später haben zahlreiche bedeutende und berühmte
Ärzte
den Blutegel in ihre Behandlungsweise eingebaut und fanden die
Grundsätze bestätigt, bei denen die Egelbehandlung
hilfreich
oder durch nichts anderes zu ersetzen ist. Bis heute hat sich daran wenig
geändert.
Diese
Grundsätze sind der heutigen, sich als naturwissenschaftlich
bezeichnenden Medizin jedoch so gut wie unbekannt. Sich immer weiter
spezialisierend und immer kleinere Einheiten des Organismus beachtend,
hat sie den Blick für einfache, offen vor Augen liegende
Zusammenhänge weitgehend verloren. Die Ärzte der
vergangenen
Jahrhunderte und Jahrtausende hatten keine umfangreichen Laboratorien
und technisch ausgefeilten Hilfsmittel für ihre Diagnosen zu
Verfügung. Dafür sahen sie sich den Kranken selbst
genau an,
und sie konnten dabei auf die Erfahrungen ihrer Vorgänger
ebenso
bauen wie auf ihre eigene, gut geschulte Beobachtungsgabe. Als
Richtschnur und Prüfstein für ihre Diagnosen und die
Wahl der
Behandlungsart diente ihnen die sogenannte Humoralpathologie, die Lehre
von den Körpersäften und deren normaler
Zusammensetzung
(Eukrasie) oder krankhaften Mischung (Dyskrasie), die bis gegen Ende
des vergangenen Jahrhunderts für die gesamte Medizin
verbindlich
war. Freilich erstarrte die Humoralpathologie im Laufe der Jahrhunderte
mehr und mehr zu einem starren Dogma, und der Zwang für die
damaligen Ärzte, sich eng umschriebenen Lehrsätzen zu
unterwerfen, führte schIießlich zu schematischem und
lebensfremden Handeln. Wir sehen, daß damals wie heute die
orthodoxe Lehrmeinung einer "Schulmedizin" sich lähmend auf
die
Heilkunst auswirkte und alle die Behandler der Pfuscherei
verdächtigte, die von den diktatorisch-strengen
Lehrsätzen
abwichen.
Was
Ist nun jene Humoralpathalogie, die so viel geschmähte wie
auch
heute noch bei "Eingeweihten" hochgelobte? Es ist kaum
möglich,
sie in wenigen Sätzen verständlich zu machen, sie,
die im
Altertum Teil des großartigsten und geschlossensten
Weltbildes
war, das als Geheimlehre an den Priesterschulen gelehrt wurde und die
damalige Philosophie und Astrologie nahtlos mit einbezog, und das bis
heute seinesgleichen sucht. In dem Bestreben, eine Ordnung für
die
so vielfältigen und bunten Erscheinungen des Lebens und der
Welt
zu finden, nahm man als einfachste Grundeigenschaften vier
Zustände eis "Urqualitäten" an, in deren polaren
Spannungen
sich alles Seiende einbettet, nämlich die Gegensatzpaare warm
und
kalt sowie feucht und trocken. Aus dem Zusammenwirken dieser
"Urqualitäten" ließen sich die "Elemente" Feuer,
Luft,
Wasser, Erde ableiten, an denen je zwei der "Urqualitäten" in
unterschiedlichem Ausmaße beteiligt waren. Da der Mensch sich
inmitten der Natur befindet, muß auch er teilhaben an den
"Elementen". Sontstand die nur auf den ersten Blick kuriose Einteilung
der Körpersäfte nach der Humoralpathologie in Blut,
Schleim,
"gelber Galle", "schwarzer Galle". Kurios und wirklichkeitsfremd
erscheint diese Einteilung allerdings nur dem, der sich an die Worte
selbst klammert, statt sie als Symbol für bestimmte
Zustände
zu werten. Wo hätte man zum Beispiel in der modernen Medizin
je
etwas von "schwarzer Galle" gehört oder gelesen, die nach
Ansicht
der früheren Ärzte einer der Säfte im
Körper sein
soll ? Die alten Ärzte haben aber gut beobachtet, nur konnte
man
diese Beobachtungen nicht in die Sprache heutiger Wissenschaft
übersetzen. Wer nach der Humoralpathologie behandelt, etwa
blutig
schröpft, weiß genau, was die alten Ärzte
mit
"schwarzer Galle" meinten. Da kommt es nicht selten vor, daß
sich
trotz sachgemäßer Vorbereitung in den
Schröpfköpfen so gut wie kein Blut befindet. Doch das
kleine
Bißchen, das durch die Haut kam, sieht schwarz aus und es
gerinnt
sofort zu harten Klumpen. Vom sonst gewohnten reichlichen unwarmen Blut
ist also nichts zu finden. Könnte man da nicht auf den
Gedanken
kommen, daß es den Körpersäften an
Flüssigkeit und
Wärme mangele ? Eben diese Eigenschaften schrieben die alten
Ärzte der "schwarzen Galle" zu: zu kalt und zu trocken. Sehen
wir
uns dann den Menschen an, bei dem das blutige Schröpfen nicht
den
gewünschten Erfolg hatte (der Erfahrene wird allerdings nie
auf
den Gedanken kamen, bei solchen Menschen blutige
Schröpfköpfe
zu setzen), dann finden wir meist einen ganz bestimmten Typ: Er ist
mißmutig, hat eine geschwächte Lebenskraft, er
friert
leicht, sieht oft "vertrocknet" aus, also mager, neigt zum
Grübeln
und macht dem Behandler das Leben schwer mit immer neuen Einwendungen
und Bedenken und Befürchtungen - kurz, er ist ein
Melancholiker,
der alles zu "schwarz" sieht. „ Melancholisch", aus dem
Griechischen
kommend, heißt zu deutsch: schwarzgallig. Nun, da haben wir
es
wieder. Kalt und trocken. Daraus könnte man jetzt eine ganze
Reihe
von Krankheiten ableiten, die zu diesem Typ passen, die alle mehr oder
weniger als "trocken" und "kalt" in Erscheinung treten, z.B. die
Neigung zu Steinbildung, zu chronischem Gelenkrheuma mit
Verkrümmungen, zu Verkalkungen, zu einigen Arten von
Krämpfen
(aber nicht allen) wie etwa Migräne, wie ganz allgemein zu
mehr
chronischen, degenerativen Krankheiten. Der nach der Humoralpathologie
Behandelnde muß sich nun überlegen, wie er das "zu
Trockene"
und "zu Kalte" hinausbekommt (in unserer heutigen Denkweise scheinbar
schon wieder ein Unsinn, einen Mangel, also einen Mangel an
Feuchtigkeit oder Wärme herauszuziehen) und für
Erwärmung und
Verflüssigung der Körperkräfte sorgt.
Das
Gegenteil des "Melancholikers" ist der "Sanguiniker", der immer
fröhliche, lebhafte, unbekümmerte "Bruder
Leichtfuß",
der weltoffene, anpassungsfähige Optimist - der aber auch zu
entsprechenden Krankheiten neigt durch ein Zuviel an "warm" und
"feucht". Den "Choleriker" mit einem Überschießen
von
"trocken" und "warm" lassen wir jetzt ebenso außer Acht wie
den
"Phlegmatiker" - wir würden heute eher "Lymphatiker" sagen -
mit
einem - immer im Sinne der Humoralpathologie - Überwiegen von
"feucht" und "kalt".
Niemandem
wird hier verübelt, wenn er beim Lesen dieser seltsamen,
versponnen scheinenden Ausführungen den Kopf
schüttelt. Man
braucht schon jahrelanges Einfühlen, bis man erkennt,
daß
diese primitiv erscheinende Lehre bis heute an Wert nichts verloren hat
für das Wählen geeigneter Heilmaßnahmen.
Wenn z.B. der
Kneipp-Behandler einen immer frostigen, etwas dürren
Patienten
nicht gleich mit einem Eimer kalten Wassers begrüßt,
sondern
das Hauptgewicht - zunächst - auf warme Anwendungen legt, so
handelt er unbewußt nach Grundsätzen der alten
Humoralpathologie.
Die
allgemeine Betrachtung der Humoralpathologie, die sich
übrigens
auch in bester Übereinstimmung mit der Augendiagnose befindet,
wollen wir nun verlassen, denn es sollte ja von Blutegeln gesprochen
werden. Diese nehmen eine nahezu einzigartige Stellung im
Behandlungsplan der Humoralpathologie ein, da sie auf verschiedene, ja,
gegensätzliche "Säftezustände"
günstig einzuwirken
vermögen.
Wer
bis hierher aufmerksam mitgelesen hat, wird sich sagen: "Nun, Blutegel
sollen Blut absaugen, also wird man sie dort einsetzen, wo zu viel Blut
vorhanden ist, also bei den Vollblütigen mit ihrem benommenen
Kopf, hohem Blutdruck und ähnlichem." Richtig ! Aber da
könnte man es sich ja auch einfacher machen, sich und dem
Kranken,
indem man ihn zur Ader läßt. Da hat man in wenigen
Minuten
ein genau bestimmbares Quantum Blut entzogen und benötigt
nicht
den Aufwand mit den komischen "Viechern". Auch das wäre
richtig.
Durch den Blutentzug läßt sich bei
Vollblütigen, gleich
ob durch Egel oder durch Aderlass, folgendes erzielen: Eine allgemein
entlastende Wirkung durch Verminderung bzw. Verdünnung der
umlaufenden Blutmenge, etwa bei Fieber, örtlichem Blutandrang,
geschwächter Herzleistung, bei Hitzewallungen, Lungenstauungen
und
anderem. Eine allgemein blutreinigende Wirkung durch Verminderung der
im Blute kreisenden Schlacken und Giftstoffe, wobei durch den
Blutentzug die vermehrte Bildung frischer, gesunder Blutkörperchen
angeregt wird. Oft bedarf es nur dieser Durchbrechung einer
"Blockade"‚ darniederliegende Abwehrkräfte des
Körpers
wieder
in Schwung zu bringen. Dieses ist wiederum ein Auslöser der
entzündungshemmenden Wirkung. Durch die Verdünnung
des Blutes
wird dieses wieder aufnahmefähiger für in Gewebe
ausgetretene
Stoffe, so daß man auch von einer aufsaugenden Wirkung bei
Ergüssen z.B. nach PreIlung, nasser Rippenfellentzündung,
Gelenkentzündung mit Schwellung u.a. sprechen kann.
Diese,
hier nur ganz kurz gestreiften Ergebnisse würde ein
ausreichend
großer Blutentzug, vorwiegend beim Vollblütigen,
bringen,
gleich, ob durch Aderlass, ausreichend starkes blutiges
Schröpfen
oder durch Blutegel.
Der
Blutegel kann aber noch viel mehr, und sein Wirkungsfeld ist durchaus
nicht nur an Vollblütige gebunden. Er nimmt dem Kranken nicht
nur
etwas ab, er gibt auch etwas hinzu. Würde, wie bei jeder
kleinen
Verletzung, das Blut in der Bißstelle des Egels schnell
gerinnen,
würde er nie satt. Also sorgt er durch die von ihm
abgesonderten
Stoffe Histamin und Hirudin dafür, daß die
Blutgerinnung
dort, wo er sitzt, aufgehoben wird. Wenn er, nach 20 bis 50 Minuten,
gesättigt losgelassen hat und abgefallen ist, dann sickert
noch
einige Zeit lang weiter das Blut aus der kleinen Wunde, und der
Körper findet genug Zeit, alle möglichen "schlechten
Stoffe",
die er gern loswerden möchte, dort hinzuschieben und zur
Ausleitung zu bringen. Steht die kleine Blutung, dann ist der
Körper durch jede dieser Stellen etwa 40 bis 50 ccm Blut
losgeworden. Das muß auch mal gesagt werden, denn die lieben
Angehörigen, die beim Zuschauen dauernd "rot" sehen,
fürchten
schon ein Verbluten. Eine ganz gewöhnliche Blutspende
fürs
Rote Kreuz beägt schon etwa das Zehnfache, nämlich um
400
ccm. Daher sind auch alle Befürchtungen unnütz, wenn
der
Behandler es für nötig hält, 10 oder mehr
Blutegel auf
einmal zu setzen. Weniger als 6 Egel wird er ohnehin nur in
Ausnahmefällen benutzen. Darüber hinaus wirken aber auch die
vom
Egel zugeführten Stoffe auf die krankhafte Blutzusammensetzung
(Dyskrasie), indem das Hirudin im Blut kreisende Eindickungen, d.h.
"Gerinnsel" auflöst und damit die gefürchtete
Thrombose,
Embolie - den Infarkt - verhindert, und das Histamin Gewebshormone
anregt, die Krankheitsstoffe unschädlich zu machen. Es ist
also
weit mehr als nur ein mechanischer, quantitativer Blutenzug, sondern
ein echter Heilvorgang: der Blutegel als Medikamentenspender !
Also,
was kann der Blutegel mehr als ein Aderlass ? Einmal kann er gezielt
auf die Stelle einer Erkrankung gesetzt werden, über eine
Entzündung, eine Stauung, eine Verkrampfung - oder an mehrere
solcher Stellen zugleich. Man kann durch ihn aber auch da zum
gewünschten Blutentzug kommen, wo aus irgendeinem Grunde eine
brauchbare Vene nicht erreichbar ist. Sonst kann der Blutegel nahezu
alles, wenn.... ja wenn - doch davon später. Mit frischen
Entzündungen weiß er ebensogut umzugehen wie mit
chronischen, bei denen vielleicht schon die modernen Chemotherapeutika
längst nicht mehr halfen, mit örtlichen
Blutverschiebungen
(z. B. den Hitzewellen in den Wechseljahren) und Blutstauungen (etwa
bei Krampfaderleiden, bei Leber- und Lungenstauungen der Herzschwachen)
weiß er ebenso fertig zu werden wie mit
Gefäßkrämpfen (zu denken wäre an
die echte oder
nervöse Angina pectoris, an Migräne, krampfartige
Kopfschmerzen der Hochdruckkranken und anderes). Bei vielen
rheumatischen Schmerzen ist er hilfreich wie auch bei der
großen
Zahl unterschiedlicher Beschwerden, die von "unreinem" Blut kommen, wie
immer neu aufschießende Furunkel, einige Arten von
Ausschlägen und vieles mehr. Einmal gelang es mir sogar, einen
heilanstaltsreifen Verfolgungswahn bei einem Patienten recht schnell zu
beseitigen. Das alles können Blutegel, wenn.... - und damit
komme
ich zu jener Einschränkung zurück - wenn die
Konstitution des
Patienten für eine Blutegelbehandlung geeignet ist. Es
wäre
gewiß schön, wenn es ein Universalheilmittel
gäbe. Es
wäre alles viel einfacher.
Erinnern
wir uns noch einmal an den Anfang dieses Artikels, an die offenkundige
Abneigung gegen die Blutegel. Ist das denn so schlimm? Es gibt wenige
so saubere Tiere wie den Blutegel. Sie sind hochempfindlich gegen
verunreinigtes Wasser und gegen Gerüche. Eine
Ansteckungsgefahr
für irgendwelche Infektionen besteht beim Ansetzen nicht. Das
Festbeißen fühlt sich nicht schlimmer an als ein
leichtes
Berühren mit einer Brennessel, sind es doch ganz winzige
Zähnchen der drei Kieferplatten, die sich behutsam durch die
Haut
arbeiten. Im kalten Wasser eines mit Egeln besetzten Sees wird es oft
nicht einmal bemerkt. Was zurückbleibt, dann allerdings
für
dauernd, ist eine kleine, dreistrahlige Mininarbe. Diese kosmetischen
Rücksichten sind aber fast die einzigen, die man nehmen
muß.
Selbstverständlich wird man Blutegel nicht bei Blutern
ansetzen.
Gelegentlich kommt es nach dem Ansetzen zu
verhältnismäßig
unbedeutenden Entzündungen oder allergischen Reaktionen, die
durch
Heilerdeauflagen leicht zu beherrschen sind. Es gibt noch einige andere
Einschränkungen, die jedem Blutegelbehandler vertraut sind. So
wird man Egel nicht auf erheblich ernährungsgestörte
Haut
setzen, besonders an Körpergegenden, die ohnehin schlechter
durchblutet sind, wie an und unterhalb der
Fußknöchel. Dann
könnte es leicht geschehen, daß man statt der
Abheilung
eines Unterschenkelgeschwüres ein neues bekommt.
Was
freilich die Blutegel beim Behandler so unbeliebt macht, das ist die
oft endlose Geduld, bis man die offenbar völlig
beißunlustigen Tierchen doch noch zum Anbeißen
gebracht
hat. Wie vorher der Behandler innerlich über die Angst des
Patienten lächelte, so amüsiert sich jetzt dieser
darüber, wie sein Behandler zusehends an die Grenze seiner
Geduld
und in Verzweiflung gerät. Allerdings gibt es verschiedene
Tricks,
um diese Schwierigkeiten zu überwinden.
Mit
einem kurzen Streifzug durch die oft schon totgesagte, aber nach wie
vor lebendige Humoralpathologie haben wir den Blutegel kennengelernt,
dessen so vielseitige und oft geradezu erstaunliche
Fähigkeiten im
Helfen und Heilen nur auf dem Boden dieser Humoralpathologie
möglich und denkbar sind. Ob ihm diese Zeilen neue Freunde
erschließen werden?
Verfasser:
Wolf-Diether
Stimming,
Heilpraktiker, Steinbecker Str. 25, 21244 Buchholz/Nordheide
Heilpraktiker
von 1958 bis 1998
Schwerpunkte:
Augendiagnose, ausleitende Humoraltherapie, Massagen,
Komplexhomöopathie, Sanum-Therapie.