Perspektiven
Methoden
Akupunktur
→ www.jcm.co.uk
Dreimal jährlich erscheint “The Journal of Chinese
Medicine”. Einige Artikel des jeweils neuesten Hefts sind
abrufbar.
→ de.wikipedia.org...
Akupunktur bei der 'Wikipedia'.
Chirotherapie
(Manuelle Medizin)
→ www.chiropraktik.ch
Themen zu Chiropraktik und Gesundheit des ”Informationsdienstes für
Chiropraktik in
der Schweiz”.
Eigenbluttherapie
→ de.wikipedia.org...
Ein Artikel der 'Wikipedia'.
Neuraltherapie
→ www.neuraltherapie.at
Die Seite der “Österreichischen Medizinischen Gesellschaft
für
Neuraltherapie und Regulationsforschung”.
Einführung in die
Methode, ihre
Anwendungsgebiete, Gegenanzeigen und Geschichte.
→ www.ignh.de
Informationen der "Internationalen Medizinischen Gesellschaft für
Neuraltherapie nach Huneke Regulationstherapie e.V."
Pflanzenheilkunde
Link
zur Seite des 'Komitee Forschung Naturmedizin' führt u.a. zu
Heilpflanzen- Dokumentationen und Presseberichten.
Symbioselenkung
→
de.wikipedia.org...
Übersichtsartikel
der Wikipedia' mit weiterführenden Links zur Symbioselenkung bzw.
'Mikrobiologischen Therapie'.
Umweltmedizin
→ www.allum.de
Das überaus informative 'Informationsangebot Allergie, Umwelt und
Gesundheit'.
Sind Helminthen bei der
Behandlung chronisch entzündlicher
Darmerkrankungen die Therapie der Zukunft ?
von
Joel Weinstock, M.D. und
William R.Summers, M.D.
Geschichte: Epidemiologische Studien zeigen, daß chronisch
entzündliche Darmerkrankungen¹
(CED) in westlichen,
industrialisierten Ländern bei Überfluß und
guten
sanitären Verhältnissen häufig vorkommen.
Andererseits
finden sich CED selten in Entwicklungsländern mit weniger
sauberen
Umweltbedingungen und gepferchterem Zusammenleben. Die
Erklärung
für diesen Unterschied war bisher immer spekulativ, aber es
ist
eine gesicherter epidemiologischer Tatbestand, daß sich die
Häufigkeit von CED umgekehrt proportional zur
Prävalenz von
Wurmparasiten in den jeweiligen Populationen verhält.
Möglicherweise
resultieren CED aus einer deregulierten Immunantwort auf den
Darminhalt. Wenn das Immunsystem auf Fremdproteine reagiert, setzen
Entzündungszellen Zytokine frei, die diese Reaktion steuern,
und
sprechen gleichzeitig auf diese an.
Bei
vielen
Immunreaktionen können zwei gegenregulatorische Muster der
Zytokinsekretion ausgemacht werden. Polarisierte Th1-Antworten
behindern die Expression von Th2-Zytokinen, während
polarisierte
Th2-Antworten Th1-Aktivitätsmuster behindern. Die Th1-Antwort
wird
durch einen Anstieg von IL3-12 und IFN-gamma 4 charakterisiert. Die
Th2-Antwort zieht erhöhte IL-4, IL-5 und IL-13-Werte nach
sich.
Morbus Crohn stellt eine übermäßig aktive
und
zerstörerische entzündliche Reaktion dar, die
möglicherweise von intestinalen Bakterien induziert wird. Das
Zytokinprofil bei aktiver Colitis ulcerosa (CU) weist eine signifikante
IFN-gamma-Erhöhung auf, ist jedoch nicht so polarisiert wie
bei M.
Crohn. Die pro-inflammatorischen Zytokine IL-1ß, IL-6, IL-8
und
TNF-alpha 5 sind sowohl bei der CU als auch beim M. Crohn
erhöht.
Unter
experimentellen Bedingungen wird die von intestinalen Helminthen im
Wirt hervorgerufene Immunantwort durch eine
Zytokinausschüttung
des Th2-Musters sowie einer unspezifisch herabregulierten Th1-Antwort
charakterisiert. So konnte gezeigt werden, daß eine Reihe von
Helminthen eine Typ2-artige Entzündung hervorrief, wodurch es
zu
einer Herabmodulierung von Immunantworten des Th1-Typs auf anderweitige
bakterielle oder virale Entzündungen kam. Auf diese Weise
gelangen
Personen zu einer gedämpften Th1-Antwort, wenn sie mit anderen
Antigenen konfrontiert werden. Dies könnte eine
überschießende Th1-Entzündungsreaktion auf
Schleimhautoberflächen, wie sie bei M.Crohn auftritt,
verhindern.
Andererseits könnten genetisch veranlagte Personen, die
niemals
einem Helminthenbefall ausgesetzt waren, eine starke, gegenwirksame
Th2-Immunantwort vermissen lassen und eine kaum regulierte und
destruktive intestinale Th1-Antwort entwickeln, die zu chronischer
Kolitis oder Ileitis führt.
Neue
Erkenntnisse: Obiger Logik folgend hat eine Forschergruppe der
University of Iowa Health Care geschlossen, daß ein fehlender
oder schwacher Kontakt mit intestinalen Helminthen als wesentlicher
prädisponierender Umweltfaktor für eine CED zu gelten
hat.
Diese Hypothese basiert auf epidemiologischen Daten, die eine Zunahme
von M. Crohn seit den 50er Jahren bis Mitte der 80er Jahre des letzten
Jahrhunderts in industrialisierten Gesellschaften vor allem der
gemäßigten Klimazonen belegen. Dieser Zunahme war
ein
deutlicher Rückgang der Inzidenz parasitischer
Wurmerkrankungen
vorangegangen, der vor den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts nahezu
alle Kindern in den südöstlichen Regionen der
Vereinigten
Staaten ausgesetzt waren. In den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts
wies bei Routineautopsien einer von sechs Amerikanern Anzeichen einer
durchgemachten Trichinella-Infektion auf. In den 60er Jahren des
letzten Jahrhunderts waren es nur noch weniger als 5%, wobei nur 0,5%
Anzeichen einer kürzlichen Infektion aufwiesen.
Diese
Hypothese wurde zunächst mittels Th1-induzierter intestinaler
Entzündung am Mausmodell geprüft. Eine Bilharziose
(vorausgegangener Kontakt mit Schistosoma mansoni) verhinderte die
Entwicklung einer Kolitis bei den Mäusen, die rektal mit
Trinitrobenzolsulfonsäure und Äthanol gereizt wurden.
Der
Vorkontakt führte zu niedrigerem Th1 und erhöhte die
Th2-Ansprechbarkeit, wodurch die Mäuse vor der Entwicklung
einer
Kolitis bewahrt wurden. In einem weiteren Modell —
Mäusen mit
ausgeschalteten IL-10-Genen, die eine schwere Kolitis bei exzessiver
Th1-Antwort auf Dickdarminhalt entwickeln — konnte der
Eingeweidewurm
H. polygyrus die intestinale Entzündung signifikant
reduzieren.
Eine intestinale Entzündung war bei IL-10-defizienten
Mäusen
nach Kontakt mit Trichuris muris ebenfalls signifikant
abgeschwächt.
Es
muß bemerkt werden, daß andere Th1-induzierte
Autoimmunerkrankungen wie MultipleSklerose (MS) und Diabetes Typ1 die
epidemiologischen Charakteristika der CED teilen. Zum Beispiel ist MS
in tropischen Ländern selten und tritt gehäuft in
industrialisierten, gemäßigten Regionen auf.
Dementsprechend
hat die Kolonisation mit helminthischen Parasiten in letzteren
nachgelassen, während sie in vorgenannten unverändert
geblieben ist. MS resultiert aus
einerüberschießenden
Th1-Immunantwort auf eine wahrscheinlich gemeinsame Peptidsequenz eines
Virus bzw. Bakterium und Myelin-produzierenden Zellen. Weil sich der
initiale Kontakt mit Viren oder Bakterien normalerweise an
Schleimhautoberflächen abspielt, könnte eine
Th2-Konditionierung der Schleimhäute eine fehlgeleitete
Th1-Reaktivität auf solche gemeinsamen Peptidsequenzen
verhindern.
Klinische
Relevanz: Die Möglichkeit, daß
Eingeweidewürmer den
Wirt vor der Entwicklung oder der Fortdauer einer CED schützen
können, brachte die Health-Care-Forschergruppe der University
of
Iowa zu der Überlegung, ein solches Agens bei der Behandlung
der
aktiven CED anzuwenden. Es war wünschenswert, daß
sich das
Agens im Intestinum ausbreitet, ohne in den Wirt selbst einzudringen.
Außerdem mußte die Herkunft der Würmer
Apathogenität garantieren, um das Risiko einer
Mitübertragung
von Krankheiten, die eine Gefahr für die Volksgesundheit
darstellen, wie HIV oder Hepatitis B, C oder E, gering zu halten. Der
Schweine-Peitschenwurm Trichuris suis erfüllt diese
Bedingungen.
T.
suis
ist kein menschlicher Parasit, aber seine Ova sind in der Lage, einen
menschlichen Wirt für einige Wochen zu kolonisieren. Sie
werden im
Anschluß ohne besondere Therapie eliminiert. Mit dem Stuhl
ausgeschiedene Eier sind zur Kolonisation nicht in der Lage, da sie
sich noch nicht imEmbryonenstadium befinden. Dieser Wurm kann nicht
kultiviert oder in vitro gezogen werden, aber eine Gewinnung aus
kolonisierten, pathogenfreien Schweinen ist möglich.
Acht
Patienten mit steroidabhängiger oder therapieresistenter CED
mit
Befall des Colon und/oder Dünndarms (fünf hatten
M.Crohn und
drei Colitis ulcerosa) wurden für eine Pilotstudie mit T.
suis-Eiern ausgewählt. Jedem Probanden wurde eine Einzelgabe
von
2500 Eiern in 30 ml Gatorade (Limonade / d.Übers.) oder eine
wöchentliche Gabe über drei Wochen verabreicht.
Die
Beurteilung der Patienten schloss Stuhlfrequenz,
M.Crohn-Aktivitäts-Index (Crohn's disease activity index -
CDAI),
großes Blutbild, Leberenzyme und Bilirubin, BSG, C-reaktives
Protein, Urinuntersuchung, Stuhlkultur, Untersuchung auf Eier und
Parasiten und CED-Lebensqualität- Fragebogen (IBD quality of
life
questionnaire -IBDQ) ein. Obwohl bei CED keine Laboruntersuchung
für sich genommen das Ausmaß der aktiven
Entzündung
beschreibt, spiegelte sich der Behandlungserfolg deutlich in den
positiven Veränderungen derjenigen Auswertungskriterien wider,
die
eine subjektive Wahrnehmung von Verbesserungen beinhalten.
Die
niedrigsten CDAI-Werte fanden sich beispielsweise im Zeitraum von vier
bis zwölf Wochen (Mittelwert: sieben Wochen) nach Beginn der
Studie, der mittlere niedrigste Wert betrug 55% des initial erhobenen
Wertes (p=0.03). Vier der fünf Patienten mit M.Crohn gelangten
in
die Remission (CDAI niedriger als 150), der fünfte wies eine
signifikante Erniedigung des CDAI auf 151 Punkte auf.
Der
IBDQ
stieg bei allen Patienten vom initialen Mittelwert 124 zum
höchsten mittleren Wert von 186 (p=0.00005). Ein IBDQ von 170
oder
höher wird oft als Remission angesehen. Diesem Kriterium
folgend
gelangten sieben von acht Patienten in die Remission, die bis zu
fünf Monaten anhielt.
Trotz
beträchtlicher Schwankungen ging die mittlere
wöchentliche
Stuhlhäufigkeit bei allen Probanden von 59 auf 33
zurück,
d.h. auf etwa 50% des initialen Wertes (p=0.03).
Schließlich
beurteilten alle Patienten das subjektive Gefühl der Besserung
anhand einer Neun-Punkte-Likert-Skala (1 = schwere Exazerbation, 9 =
vollkommene Remission): der mittlere Ansprechwert betrug 7,5. Die
mittlere Ansprechdauer betrug fünf Wochen.
Bei
keinem
der Patienten kam es zu nennenswerten Komplikationen oder
unerwünschten Ereignissen. Kein Patient
äußerte
während oder nach der Studie Besorgnis über die
Therapie.
Alle waren gewillt, sich weiteren Behandlungen zu unterziehen.
Bei
allen
Patienten kam es nach einer Einzeldosis zum Rückfall. Der
Grund
für die Rückfälle war unbekannt, aber es
erschien
plausibel, daß sich subtile Veränderungen im Milieu
ergeben
hatten, welche die Th1-Th2-Balance betraf. Da T. suis Menschen nur
kurzzeitig kolonisiert, wird angenommen, daß die Dauer der
Th2-Antwort für diesen Organismus nicht ausreichte, um die
Relation von der normabweichenden Th1-Antwort auf Dauer zu verschieben.
Daher
wurde den Forschern gestattet, Patienten mit refraktärer CED
alle
drei Wochen eine Erhaltungsdosis des Erregers zu verabreichen. Zwei
Patienten mit M. Crohn und zwei mit Colitis ulcerosa wurden zur zweiten
Phase der Open-label-Studie zugelassen. Alle vier Patienten gelangten
in die aufrechterhaltene Remission. Zwei von ihnen erhalten diese
Behandlung nun seit mehr als einem Jahr. Eine Doppelblindstudie wird
jetzt vorbereitet, um im weiteren die Effizienz dieser Therapie zu
prüfen.
Zwei
epidemiologische Ergebnisse sind bedeutsam für die
Hygiene-Hypothese, wie sie von dieser Situation umschrieben wird: a) in
Gegenden, in denen intestinale Würmer endemisch sind, sind die
Menschen vor CED geschützt; b) sie ziehen sich
außerdem
mehrheitlich keine Krankheiten zu, die auf intestinale Würmer
zurückgeführt werden können. Ihr Immunsystem
scheint an
die Kolonisation mit Würmern adaptiert, aus diesem Grunde
können diese Parasiten in genetisch veranlagten Individuen
eine
wichtige Rolle bei der Prävention einer immunologischen
Dysregulation spielen. Indem wir uns von relativ harmlosen Organismen
mit einer bedeutsamen immunregulatorischen Potenz befreit haben,
könnten wir unbeabsichtigt ein immunregulatorisches
Ungleichgewicht ausgelöst haben, das uns zum Opfer von
Autoimmunerkrankungen wie den CED werden ließ.
Referenzhinweis:
Die Pilotstudie stellte eine Grundlage für das Design einer
randomisierten, klinischen Doppelblindstudie dar. Diese wird derzeit an
den UI-Krankenhäusern und -Kliniken vorbereitet.
Ärzte, die
Patienten mit CED behandeln, sind aufgerufen, diese an uns zur
Evaluation und möglicherweise Teilnahme an dieser Studie zu
verweisen. Bitte wenden Sie sich an die UI-Beratung (1-800-322-8442),
und nehmen Kontakt auf mit Robert Summers, M.D. oder Joel Weinstock,
M.D., die diese Studie verantwortlich durchführen.
Die
Hygiene-Hypothese:
—
Organismen, die im menschlichen Darm leben, sind bedeutsam für
die
Tonisierung und Ausformung sowohl des lokalen Immunsystems als auch der
systemischen Immunantworten
—
Die
industrialisierte Gesellschaft wird von fortschreitender hygienischer
Lebensweise gekennzeichnet. So wurden die Menschen von ihrer
natürlichen Umwelt entfremdet, was die Anpassung des
menschlichen
Immunsystems bewirkte und jetzt ein intestinales Milieu bedingt,
welches sich weitgehend von dem unserer Vorfahren unterscheidet.
—
Diese Entwicklung führt zum Erscheinungsbild diverser
Autoimmun-
und anderer immunologischer Erkrankungen
—
Die
nachlassende Kolonisation mit Würmern und der einzigartige
Effekt
dieser Parasiten auf unsere Immunantwort sind wesentliche Faktoren, die
zur Ausbildung von Autoimmunerkrankungen beitragen.
Den
menschlichen Gastrointestinaltrakt besiedelnde Würmer:
Nematodes
(Rundwürmer):
-
Enterobius vermicularis (Madenwurm),
Trichuris
trichiura (Peitschenwurm)
-
Ancylostoma duodenale und Necator americanus (Hakenwürmer),
Ascaris
Plathelminthes
(Plattwürmer)
- Trematoden (Saugwürmer): Fasciolopsis spiralis, Echinostoma
spiralis, Heterophyes spiralis, Clonorchis sinensis, Opisthorchis
viverrini, Opisthorchis felineus, Fasciola hepatica, Schistosoma
mansoni und Schistosoma japonicum
-
Zestoden
(Bandwürmer): Diphyllobothrium spiralis, Taenia saginata,
Tenia
solium
Anmerkungen:
1
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: M. Crohn und Colitis
ulcerosa
2
T-Helfer-Zellen
3
Interleukin
4
Interferon gamma
5
Tumor-Nekrose-Faktor alpha
Originaltext
erschienen in der Zeitschrift “Currents”, 2001,
vol. 2, # 1
Übersetzung
mit freundlicher Genehmigung von “Currents”,
vierteljährliche
Veröffentlichung der Iowa Health
Care. www.uihealthcare.com/Currents