Feste Burgen

Last updated on 22. September 2020

Stumpfes LPG-Grau

In der Automobilbranche sah es während der sechziger Jahre für kurze Zeit so aus, als könnten Trabants und Wartburgs auch auf dem westdeutschen Markt Fuß fassen. Auf der Internationalen Automobilausstellung 1967 in Frankfurt staunte man jedenfalls nicht schlecht über die neuen Modelle aus Eisenach und Zwickau. Man setzte in Mitteldeutschland auf Frontantrieb, modernes Design und war auf den Exportmärkten so konkurrenzlos billig wie heute die indische Marke Tata. Die neuen DDR-Modelle waren ein Farbtupfer in der Angebotspalette, auch wenn sie motortechnisch bereits als überholt galten. Durchsetzen konnten sie sich in Westdeutschland nicht, dafür hatten diese PKWs einfach zu wenig Nimbus. Trabbis und Wartburgs wurden dann schnell zum Markenzeichen des abgehängten Ostens, die man auf der Zonenautobahn flott, aber nicht zu flott überholte, denn das kostete fast immer Strafe. Geschwindigkeitsmessung war für die DDR ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

In den sechziger Jahren kam es in der DDR auch zur Errichtung landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften (LPGs), die bis heute zumindest architektonisch in vielen ländlichen Gebieten auch entlang der Elbe dominieren. In den heute gut restaurierten Dörfern und Städten fallen viele quietschbunte Fassaden auf, für die westdeutsche Immobilienbesitzer nicht den Mut aufbringen, aber irgendwo am Rande der Dörfer, manchmal auch inmitten der weiten Elblandschaften, finden sich graue, halbverwaiste LPG-Klötze, an denen die Zeit vorbeigegangen zu sein scheint. Als ob sich nie etwas verändern würde.

LPG bei Dommitzsch

Torgau

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