Heilerde, die von dem deutschen Naturheilkundigen Pastor Felke (1856-1926) bekanntgemacht wurde, eignet sich besonders zur
Behandlung akuter Beschwerden des Verdauungstrakts, wie
Gastritis, Sodbrennen, Blähungen und Durchfallerkrankungen.
Hilfreich ist Heilerde zur Entgiftung des Darms bei erregerbedingten
Durchfällen, weil die Partikel mit ihrer großen Oberfläche
Magensäure, Schadstoffe, Bakteriengifte usw. sehr gut binden.
Auch die möglicherweise aus dem Zwölffingerdarm aufsteigenden
Gallensäuren sowie Magensäure werden durch Heilerde
neutralisiert. Erinnern wir uns: die Schwere der Speiseröhrenentzün-
dungen und Gewebeveränderungen beim Reflux wird wesentlich
durch die Vermischung von aus dem Zwölffingerdarm aufsteigenden
Gallensäuren und Bauchspeicheldrüsensekreten mit der Magen-
säure bestimmt. Wenn es gelingt, diesem 'doppelten Reflux' aus
Magen und Zwölffingerdarm etwas entgegenzusetzen, ist bereits
viel gewonnen, selbst wenn aufgrund einer weiterhin bestehenden
Hiatushernie Mageninhalt in die Speiseröhre aufsteigt.
Heilerde besteht aus Löß, einem Gemisch aus Quarz, Feltspat und
Kalkspat. Sie macht im Magen-Darm-Trakt keine chemischen
Veränderungen durch und greift auch nicht in den Stoffwechsel ein,
sondern bindet Stoffe alleine durch die große Oberfläche seiner
Partikel. Diese werden dann über den Darm zur Ausscheidung
gebracht. 15 Gramm Heilerde täglich reichen an die Pufferungs-
kapazität einer synthetischen Säureneutralisierung mittels Antazida
heran. Heilerde wäre also eine wirksame, nebenwirkungsfreie
Lösung des Säureaspekts der Erkrankung, eventuell kombiniert mit
der Einnahme des oben beschriebenen Alginats. Dem Sodbrennen
wird auf diese Weise die Spitze genommen, aber selbstverständlich
ist Heilerde ebensowenig wie ein pharmazeutischer Säureblocker in
der Lage, die eigentlichen Ursachen der Erkrankung zu heilen.
Bei der Einnahme von Heilerde ist zu bedenken, daß sie auch
Medikamente bindet, die wegen anderweitiger Erkrankungen
genommen werden. Dieser Aspekt der Heilerde-Einahme ist so
bedeutsam, daß er in einem Artikel der angesehenen
psychiatrischen Fachzeitschrift „Psychopharmakotherapie“
thematisiert wurde. Es ging dort um den Fall einer 60-jährigen
Patientin, die bei einer depressiven Störung auf die Einnahme
eines Antidepressivums eingestellt wurde. Die Symptome der
Depression ließen zunächst nach, tauchten jedoch wieder auf,
nachdem sie zeitgleich mit der Einnahme des Antidepressivums
Heilerde zur Behandlung ihrer Refluxbeschwerden einnahm.
Heilerde kann also, so folgert der Artikel, neben Magensäure
und Dünndarmsekreten auch Medikamente abbinden, so daß
sie schließlich unwirksam werden.
Wenn also unter Umständen wichtige Medikamente eingenommen
werden, sollte die Einnahme von Heilerde wenigstens zeitversetzt
erfolgen, das heißt frühestens eine Stunde nach Einnahme der
Medikamente. Heilerde kann 1-3 x täglich genommen werden,
je ein Teelöffel.
AtemtherapieDa die mangelnde Aktivität des Zwerchfells eine Rolle bei der
Refluxerkrankung spielt, liegt es nahe, diesen Muskel, in dem
die alten Griechen den Sitz der Seele erblickten, genauer zu
betrachten. 17 Muskeln oder Muskelgruppen sind direkt oder
indirekt an der Atmung beteiligt, unser wichtigster Atemmuskel
ist jedoch das Zwerchfell. Wie eine schwingende Membran ist es
zwischen Bauchraum und Brustraum an allen Seiten eingespannt.
Zum Atmen in Ruhe reicht das Zwerchfell aus, die Rippenmuskeln
können beteiligt sein, müssen es aber nicht. Durch mehrere Lücken
in seiner Muskel- und Sehnenplatte treten Blutgefäße, das zentrale
Lymphgefäß, Nerven, Luft- und Speiseröhre hindurch. Das
Zwerchfell kann sich partiell oder als ganzes zusammenziehen.
Man braucht sich in einer anatomischen Darstellung des Zwerchfells
nur die Durchtrittsstelle der Speiseröhre am Übergang zum Magen
anzusehen, um zu erkennen, welche Bedeutung die Funktionalität
dieses Atemmuskels für den Grenzbereich Magen/Speiseröhre hat.
Wer kein anatomisches Buch besitzt, findet unter einer im Anhang
angegebenen Internetadresse eine bildschirmfüllende, detaillierte
Zeichnung. Man erkennt dort die Öffnung der Speiseröhre innerhalb
des muskulären Zwerchfellanteils, etwa im Mittelpunkt des Körpers
gelegen, und verankert in zwei muskulären Zwerchfellanteilen. Diese
beiden Muskelschlingen ziehen von der Wirbelsäule aus nach
vorne und kontrahieren in Form einer Schlinge bei tiefer Einatmung
die Speiseröhre. Der bei der Einatmung entstehende
Bauchüberdruck kann dann nicht in die Speiseröhre fortgeleitet
werden und der eher schwach wirksame und zudem vegetativ labile
innere Verschlußmechanismus der Speiseröhre wird entlastet.
So jedenfalls sollte es sein. Die heutige Lebensweise mit
verkrümmtem Sitz wie überhaupt die allgemeine körperliche
Inaktivität gehen jedoch leider mit Mangelatmung und
Minderbeweglichkeit des Zwerchfells einher. Übergewicht, die
Neigung zu Blähungen sowie alltäglicher Streß führen zu einer
weiteren Einschränkung der Zwerchfellbeweglichkeit, eventuell
von Seufzern oder Gähnen begleitet, mit denen sich der Körper
aus seiner Atemstarre befreien möchte. Mit fehlender tiefer
Zwerchfellatmung wird aber auch die Speiseröhre während der
Einatmung nicht mehr mit den erwähnten beiden Muskelschlingen
des Zwerchfells 'abgeklemmt', wodurch ein wichtiger Faktor des
Dichtungssystems an der unteren Speiseröhre entfällt. Der untere
Speiseröhrenverschluß dagegen - innerhalb der Speiseröhrenwand
gelegen - kann dann dem Druck von Magenseite schlechter
standzuhalten. Der Abschluß der unteren Speiseröhre gegen
den Magen wird zwar in erster Linie von seinen spiralförmig
ineinander verdrehten Muskelfasern sowie dem dort vorhandenen
polsternden Venengeflecht bewirkt, eine effektive Abdichtung ist
jedoch nur möglich, wenn ein normal „trainiertes“ Zwerchfell von
außen zusätzliche Dichtkraft bietet.
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